Die  Heidenturmkirchen

Herzlich willkommen

unter dem

Heidenturm

EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE

DITTELSHEIM-HESSLOCH-FRETTENHEIM

Der Bau des "Heidenturms" in Dittelsheim ist mit 1110 datiert. 1730 wurde das  barocke Kirchenschiff neu erbaut. Im September 2012 wurde die letzte Sanierung der Kirche abgeschlossen.

Zur Geschichte der Heidenturmkirchen in Rheinhessen

Warum haben Kreuzfahrer in Rheinhessen Sarazenentürme errichtet?

 

Die fromme Legende berichtet, Kreuzfahrer hätten aus Dankbarkeit für die glückliche Heimkehr und in Erinnerung an die Wallfahrt zum Grab Jesu Gedenkzeichen gesetzt, und zwar nur Türme!

 

Der erste Kreuzzug war 1099 mit der Einnahme Jerusalems durch das Christenheer zuende gegangen - und im Hochgefühl des Triumphes, (so Hans-Jürgen Kotzur), hätten die Rückkehrer ihre Erinnerungen an das Heilige Land in architektonische Formen umgegossen.

 

Doch die Turmaufsätze seien zugleich auch als Mahnung gemeint gewesen - als Mahnung, nicht nachzulassen im Kampf gegen die Seldschuken. Denn nach Abzug der Speerspitze des Kreuzfahrer- heeres waren in Jerusalem so wenig christliche Recken verblieben, dass jederzeit die Rückeroberung durch die "Heiden" befürchtet werden musste. Die rheinhessischen Heiden-türme" waren somit Siegeszeichen und Mahnmale in einem.

 

Der Turm ruht auf vier quadratischen Säulen, war also sicher für sich allein errichtet.Wir laden Sie ein dieses Stück "Jerusalem" in unserem Ort zu besuchen!

Modell der Heidenturmkirche

von Gerhard Roese

Wo findet man noch solche Türme?

 

 Im "Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler" (Dehio/Gall: Pfalz und Rheinhessen. 1961. S. 103) lesen wir:  Der "schönste und konstruktiv entwickelste der in diesem Gebiet mehrfach vorkommenden Türme mit Kuppelbekrönung nach dem Vorbild orientalischer Zentralbauten" ist ohne Zweifel der Chorkirchturm der früheren Allerheiligenkirche - jetzigen evangelischen Kirche - in Dittelsheim.

 

 

Wo aber kommen in Rheinhessen Türme mit Kuppelbekrönung vor?

 

Unter den romanischen Kirchen in Worms nimmt die ehemalige Stifts- und jetzige Dominikanerkirche St. Paul in architektonischer Hinsicht eine Sonderstellung ein.  Ihre beiden Rundtürme, in die Ecken zwischen dem Querwerk und dem ursprünglichen Langhaus eingestellt, tragen - statt der sonst üblichen geraden Stein -, Schiefer- oder Ziegelhelme (gemauerte Kuppeln, die in kunstvoller Abstufung vom Rund des Turmgrundrisses über Quadrat und Achteck zum Rund des Kuppelgewölbes überleiten).

 

Während die Türme selbst großteils noch dem Gründungsbau aus dem 11. Jahrhundert zugehören, stammen die Kuppelaufbauten aus den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts. Über einer Zone von vier stumpfwinklig geschlossenen Giebeln umzieht ein Kranz von acht Giebeln den Fuß der Kuppel.

 

Sehr eindrucksvoll ist die zweitürmige Westfassade der ehemaligen St. Viktorskirche - der heutigen evangelischen Kirche - in Guntersblum. Der Nordturm ist alt; der Südturm wurde 1842 an der Stelle des 1702 eingestürzten Turmes formgetreu wieder aufgebaut.

 

Die Türme - im Volksmund "Sarazenentürme" genannt- haben einen quadratischen Grundriß; daher erfolgt die Überleitung vom Quadrat vermittels getreppter Giebel über ein achtseitiges Zwischenstück zu der achtseitigen Kuppel. Das Westhaus mit seiner ursprünglich offenen Vorhalle dürfte bald nach 1200 entstanden sein.

 

All diese Kirchtürme stammen aus der Zeit zwischen 1200 und 1250. Ihre orientalischen Bekrönungen erinnern an christliche Kuppelkirchen des syrischarmenischen Kunstbereichs (Aleppo, Damaskus). Sie verweisen auf Kreuzfahrer als Anreger und Auftraggeber.Viel schlichter ist der gedrungene Westturm der ehemaligen St. Bonifatiuskirche - der heutigen evangelischen Kirche - in Alsheim. Obgleich sparsamer in den Zierformen, ist er nach Grund- und Aufriß ein Seitenstück zu den Türmen in Guntersblum. Wie dort leiten vier getreppte Giebel vom Quadrat zu einem achtseitigen Schaftstück über. Die achtseitige Kuppel ist nicht kugelig gewölbt, sondern als Pyramide gestaltet. Das sie heute bedeckende Zeltdach ist eine Notlösung des 18. Jahrhunderts.

 

Die Beziehungen zu den Kreuzzügen lassen sich für Worms und Alsheim noch wahrscheinlicher machen. Im Inneren des Chores der Wormser Paulskirche ist ein Zweimaster eingeritzt, der als Kreuzfahrerschiff gedeutet wird; am Äußeren der Apsis befinden sich Krukenkreuze aus Muscheln als Symbole der Wallfahrt zum Grab Jesu. Im Schiff der Kirche zu Alsheim sind zwischen den zwei mittleren Fenstern der Südseite zwei Wandgemälde. Auf dem einen könnte das Martyrium dreier Gläubigen dargestellt sein; während der mittlere und der rechte aufrecht erscheinen, wurde der dritte mit dem Kopf nach unten gekreuzigt. Auf dem anderen Bild sind Bruchstücke aus der Anbetung der Könige und dem Martyrium der Zehntausend zu erahnen. Die Gemälde gehören dem frühen 13. Jahrhundert an. An der Ostwand des südlichen Turmnebenraumes der Kirche in Dittelsheim sind Reste eines Wandgemäldes erhalten, die eine Deutung der Darstellung nicht ermöglichen; das Gemälde wird aber auch der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zuzuweisen sein.

 

Das Rätsel der rheinhessischen "Heidentürme":

Siegeszeichen und Mahnmale der Kreuzfahrer

 

"Forschung heute" , Jens Frederiksen

Wormser Zeitung, Samstag, den 13. Dezember 2003.

 

Orientalische Kuppeln auf rheinhessischen Kirchtürmen - und dann auch noch aus dem hohen Mittelalter! Der Laie wundert sich ... und der Fachmann auch. Das Phänomen freilich ist bekannt, hat dem Volksmund längst die Benennung “Heidentürme" entlockt. Dennoch: Sie sind umweht von der Aura des Rätselhaften.

 

Im Zuge umfangreicher Renovierungsmaßnahmen sind jetzt aber Untersuchungen an alten Bau- und Stützhölzern möglich geworden - und plötzlich beginnt sich der Nebel zu lichten.Vier Sakralbauten zwischen Worms und der Rheinschleife am Küh-kopf präsentieren auf romanischem Türm eine zumindest im deutschen Kulturraum einzigartige Bekrönung aus verschachtelten Giebeln und wunderlichen kleinen Kuppeln - Miniatur-Ausgaben jener Zentralbauten, die jeder arabischen Altstadt ihre unverkennbare Prägung geben.

 

St. Paul in Worms macht für denjenigen, der von Süden kommt, den Anfang; ein kleines Stückwestlich im rheinhessischen Hügelland stößt man in Dittelsheim auf den nächsten dieser Türme; Alsheim dann weist auf wuchtigem Unterbau zwar eine nur mit viel Phantasie in die übrige Reihe zu zwingende Variante vor; aber Guntersblum macht mit dem Nordturm der heute evangelischen Kirche St. Viktor den spektaku-lären Abschluss. Wie Perlen auf einer imaginären Schnur säumen diese befremdlichen Konstruk-tionen die rheinhessische Ostgrenze zum Rhein hin. Doch woher kommen sie? Wer errichtete sie? Worin besteht ihre Bedeutung? Die Historiker haben stets eine Verbindung zu den Kreuzzügen her-gestellt - zumeist zum zweiten, den Bernhard von Clairvaux 1146 in Vezelay ausrief und der kläglich scheiterte, gelegentlich aber auch zum dritten, an dem Friedrich Barbarossa und Richard Löwenherz teilnahmen.

Nur die Eindrücke aus dem Heiligen Land, so der Grundgedanke dieser Spekulationen, können diese Architek-turformen inspiriert haben. Offen blieb den-noch die Frage, wel-chem Zweck sie dienten -und offen blieb auch die exakte Datierung Beide Geheimnisse sind jetzt gelüftet:

 

 

Im Zusammenhang mit einer Renovierung der Türme von St. Paul in Worms konnte der Leiter der kirchlichen Denkmal-pflege im Bistum Mainz, der Dom- und Diözesankonservator Hans-Jürgen Kotzur jetzt durch eine wissenschaftliche Unter-suchung der hölzernen Zuganker in den beiden Turmaufsätzen die Entstehung auf die Zeit zwischen 1100 und 1105 für den Südturm und auf die Jahre 1107 und 1108 für den Nordturm festlegen.

 

Und Folgeuntersuchungen an den orientalischen Turmhelmen in Dittelsheim und in Guntersblum wiesen auf eine frappierende zeitliche Übereinstimmung, so dass nunmehr in allen drei Fällen die Zeit zwischen 1100 und 1110 zuverlässig für das Aufmauern der orientalischen festgeschrieben werden kann. Das aber bedeutet, dass zwischen Worms und Mainz Anfang des 12. Jahrhunderts an drei Orient-Projekten zeitgleich gearbeitet wurde - ein ebenso bemerkenswerter wie absonderlicher Boom. Nur für Alsheim liegen keine Ergebnisse vor - dort hat kein Holz die Jahrhunderte überdauert.

 

Die neue Datierung, die die bisher für Dittelsheim angenommene Jahreszahl 1144 hinfällig macht, hat nun aber auch erhebliche Bedeutung für den Symbolgehalt dieser Architekturen.

 

Der erste Kreuzzug war 1099 mit der Einnahme Jerusalems durch das Christenheer zu Ende gegangen - und im Hochgefühl des Triumphes, so Hans-Jürgen Kotzur, hätten die Rückkehrer ihre Erinnerungen an das Heilige Land in architektonische Formen umgegossen. Doch die Turmaufsätze seien zugleich auch als Mahnung gemeint gewesen - als Mahnung, nicht nachzulassen im Kampf gegen die Seldschuken. Denn nach Abzug der Speerspitze des Kreuzfahrerheeres waren in Jerusalem so wenig christliche Recken verblieben, dass jederzeit die Rück-eroberung durch die "Heiden" befürchtet werden musste. Die rheinhessischen Heidentürme" waren somit Siegeszeichen und Mahnmale in einem.

 

Und sogar auf die architektonischen Vorbilder ist Kotzur gestoßen, hat sie in armenischen Zentralbauten einerseits und fatimidischen, also ägyptischen Moscheen und Mausoleen des 11. Jahrhunderts andererseits ausgemacht. Ein Rätsel der Architekturgeschichte ist damit wahrscheinlich zuverlässig gelöst.

 

Dass diese Erkenntnisse auch noch im Vorfeld der großen Kreuzritter-Ausstellung gelangen, die ab April 2004 im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum geplant ist, gehört zu jenen glücklichen Zufällen, ohne die wissenschaftliche Forschung manchmal nicht vorankommt.

 

Publiziert sind sie im Doppelheft III-IV/2003 der Zeitschrift “Lebendiges Rheinland-Pfalz", das von der Landesbank Rheinland-Pfalz herausgegeben wird.

 

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